Der Garten nach dem Hitzesommer
ist der Garten vor dem Hitzesommer
Was wir für 2027 lernen
Der Sommer 2026 hat unseren Gärten einiges abverlangt. Wochen mit Hitze, trockene Böden, Pflanzen mit hängenden Köpfen und Rasenflächen, die ihre Farbe irgendwo zwischen «mediterran» und «Knäckebrot» angesiedelt hatten. An manchen Stellen konnten wir giessen, pflegen und zureden, so viel wir wollten – die Natur hatte ihren eigenen Plan. Und genau darin steckt eine wichtige Erkenntnis: Die Natur ist stärker, als wir manchmal denken. Vieles regeneriert sich wieder ganz von allein. Trotzdem können wir ihr jetzt ein wenig unter die Arme greifen. Nicht mit Aktionismus, sondern mit gezielten Massnahmen, damit geschwächte Pflanzen wieder Kraft sammeln und der Garten besser vorbereitet ins nächste Jahr startet.
Erst einmal schauen, dann die Gartenschere zücken
Nach einem solchen Sommer sieht man schnell, wo Hitze und Trockenheit Spuren hinterlassen haben. Vertrocknete Triebe, kahle Stellen oder ein etwas müder Gesamteindruck bedeuten aber nicht automatisch, dass eine Pflanze verloren ist. Gerade jetzt lohnt sich ein genauer Blick. Abgestorbene und stark geschädigte Pflanzenteile können zurückgeschnitten werden, damit die Pflanze ihre vorhandene Energie nicht unnötig verteilt. Vereinfacht gesagt: weniger Baustellen, mehr Kraft für das, was gesund weiterwachsen soll. Dabei geht es nicht um einen radikalen Rundumschnitt, sondern um gezieltes Nachschneiden dort, wo es sinnvoll ist. Die Pflanze bekommt wieder Luft und kann ihre Kräfte auf Regeneration und gesundes Wachstum konzentrieren.
Hecken brauchen jetzt
ihre Hühnersuppe
Auch eine Hecke kann nach einem Hitzesommer ziemlich geschafft aussehen. Sie hatte schliesslich keine Möglichkeit, sich mittags in den Schatten zu setzen und ein Glacé zu bestellen. Jetzt kann ein leichter, fachgerechter Rückschnitt helfen, wieder Struktur hineinzubringen und geschädigte Partien zu entfernen. Mindestens genauso wichtig ist aber der Blick nach unten: zum Boden. Dort entscheidet sich, welche Nährstoffe der Pflanze für ihre Regeneration zur Verfügung stehen. Wir arbeiten deshalb gerne mit organischer Bodenpflege – oder, wie wir es nennen, mit etwas «Würmlifutter». Das unterstützt das Bodenleben und damit langfristig auch die Pflanze. Eigentlich nicht viel anders als bei uns: Wenn wir mit einer Grippe flachliegen, tut eine gute Hühnersuppe auch besser als ein Marathon. Die Hecke bekommt natürlich keine Bouillon. Aber ein gesunder, aktiver Boden ist ziemlich nah dran.
Beim Rasen entscheidet sich jetzt, was wirklich kaputt ist
Der Rasen war diesen Sommer vielerorts der offensichtlichste Leidtragende. Braune Stellen sind allerdings nicht automatisch ein Todesurteil. Deshalb gilt auch hier: beobachten, bevor die grosse Maschine auffährt. Grundsätzlich wären Rasenpflege und Sanierung auch im Herbst möglich. Doch nach diesem aussergewöhnlich trockenen Sommer sieht die Sache etwas anders aus. Die Böden sind vielerorts noch immer viel zu trocken, und die herbstliche Bise entzieht gerade den oberen Bodenschichten zusätzlich Feuchtigkeit. Gleichzeitig gelten mancherorts weiterhin Bewässerungsverbote für Rasenflächen. Eine Sanierung würde deshalb einen erheblichen Bewässerungsaufwand bedeuten – möglicherweise bis weit in den Winter hinein. Unser Rat: Lasst den Rasen vorerst in Ruhe und verschiebt grössere Massnahmen auf den Frühling 2027. Im besten Fall hat sich der Boden bis dahin wieder ausreichend mit Wasser vollgesogen und bietet deutlich bessere Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart. Wie eine Rasensanierung aussehen kann, haben wir bereits in unserem Blogbeitrag vom August 2026 ausführlicher beschrieben. Kurz gesagt: Erst Diagnose, dann Therapie – und manchmal ist Geduld die beste Medizin. Wer seinen Rasen im Frühling wieder auf Vordermann bringen möchte, vereinbart am besten schon jetzt einen Termin. Dann können wir rechtzeitig planen, statt im nächsten Frühjahr alle gleichzeitig die grosse Rasenrettung auszurufen.
Stauden: Platz machen
für den Neustart
Im Staudenbeet lohnt sich nach diesem Sommer ebenfalls eine kleine Bestandsaufnahme. Was ist tatsächlich vertrocknet? Was sieht nur etwas zerzaust aus? Und wo steckt noch gesundes Pflanzenleben? Abgestorbene oder stark geschädigte Pflanzenteile können gezielt entfernt, genauer gesagt zurückgeschnitten werden. Dadurch kommt wieder Luft in die Pflanzung und gesunde Pflanzenteile erhalten mehr Raum. Gleichzeitig sollten wir auch hier nicht nur auf das schauen, was oberhalb der Erde passiert. Ein Sommer mit grosser Hitze und Trockenheit fordert das gesamte System – inklusive Bodenleben. Eine angepasste organische Bodenpflege kann helfen, die natürlichen Prozesse wieder anzukurbeln und die Voraussetzungen für einen kräftigen Neustart zu verbessern.
Und wer hat die Hitze natürlich bestens überstanden? Das Unkraut.
Es wäre ja auch zu schön gewesen: Während wir um Stauden, Rasen und Hecken besorgt waren, haben sich manche unerwünschten Gartengäste gedacht: «Besten Dank, hier gefällt es uns.» Wo sich einzelne Unkräuter breitgemacht haben, können wir gezielt eingreifen. Mit unserem Unkrauti behandeln wir unerwünschten Bewuchs mit Heisswasser beziehungsweise Dampf. Die thermische Behandlung kommt ohne chemische Herbizide aus und eignet sich besonders dort, wo unerwünschter Bewuchs kontrolliert werden soll. So bleibt mehr Platz für diejenigen Gäste, die tatsächlich eingeladen waren.
Die wichtigste Lektion
liegt unter unseren Füssen
Der Hitzesommer hat uns etwas sehr deutlich gezeigt: Ein widerstandsfähiger Garten beginnt nicht beim Gartenschlauch, sondern beim Boden. Ein lebendiger, gut strukturierter Boden kann Wasser aufnehmen und speichern und versorgt die Pflanzen gleichzeitig mit einem funktionierenden Wurzelraum. Deshalb lohnt es sich, für 2027 nicht nur über Pflanzen, sondern über das ganze System nachzudenken. Organisches Material, eine angepasste Bodenpflege und – je nach Pflanzung – eine Mulchschicht können helfen, Feuchtigkeit länger im Boden zu halten und das Bodenleben zu fördern. Denn einfach häufiger zu giessen ist keine besonders raffinierte Strategie. Entscheidend ist, dass möglichst viel vom Wasser dort ankommt und bleibt, wo die Pflanzen es brauchen.
2027 beginnt nicht im Frühling
Wer seinen Garten auf kommende Hitzeperioden vorbereiten möchte, sollte nicht bis zum nächsten heissen Juni warten. Der Herbst 2026 ist bereits Teil der Strategie für 2027. Denn jetzt sehen wir sehr ehrlich, welche Bereiche zuverlässig funktioniert haben und welche nicht. Welche Pflanzen kamen erstaunlich gut zurecht? Wo trocknete der Boden besonders schnell aus? Welche Ecke verlangte ständig nach Wasser? Und welche Pflanze steht vielleicht schlicht am falschen Ort? Genau aus diesen Beobachtungen können wir für das nächste Gartenjahr lernen. Das Ziel ist dabei nicht, einen Garten zu schaffen, dem Hitze und Trockenheit völlig egal sind – so funktioniert Natur nicht. Wir können das gesamte System aber widerstandsfähiger machen: mit einem gesunden Boden, einer zum Standort passenden Bepflanzung, sinnvoller Bodenbedeckung und einer Bewässerung, die Wasser gezielt zu den Wurzeln bringt, statt jeden Abend nur die Oberfläche etwas nass zu machen. Nicht jede Pflanze muss nach einem schwierigen Sommer gleich ersetzt werden. Wenn sich Probleme aber Jahr für Jahr wiederholen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Bepflanzung entsprechend anzupassen. Ein Garten muss sich schliesslich nicht gegen die Natur behaupten. Er sollte möglichst gut mit ihr zusammenspielen.
Der Garten kann erstaunlich viel selbst
Nach einem Sommer wie diesem ist die Versuchung gross, überall gleichzeitig eingreifen zu wollen. Doch manchmal besteht gute Gartenpflege auch darin, nicht zu viel zu tun. Pflanzen können sich regenerieren, Böden können sich erholen und selbst ein ziemlich trauriger Rasen kann plötzlich wieder Lebenszeichen zeigen. Unsere Aufgabe ist es, genau hinzusehen und dort zu unterstützen, wo Unterstützung wirklich etwas bringt: schneiden, wenn es der Pflanze hilft; den Boden füttern, wenn ihm etwas fehlt; nachsäen, wenn Lücken bleiben; Wasser sinnvoll einsetzen und Pflanzen dort einsetzen, wo sie langfristig gute Bedingungen haben.